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Subventioniert, verordnet, verwaltet: Die Energiewende als Planwirtschaft mit grünem Anstrich

Es ist eine These, die politisch unbequem ist, aber ausgesprochen werden muss: Die 2000-Watt-Gesellschaft ist nicht bloss ein unvollständiges Instrument – sie ist ein Symptom einer Energiepolitik, die lieber Verhalten verwaltet als Märkte arbeiten lässt. Und die dabei den Bürger doppelt zahlen lässt: einmal über die Stromrechnung, einmal über Steuern und Abgaben.

Wenn der Staat entscheidet, wer richtig liegt

Stellen Sie sich vor, Sie sanieren Ihr Haus. Neue Fenster, bessere Dämmung, eine Wärmepumpe statt der alten Ölheizung. Sie handeln verantwortungsvoll, investieren aus eigener Überzeugung – und stellen fest, dass Ihre Entscheidung nur deshalb wirtschaftlich tragbar ist, weil der Staat sie subventioniert. Nicht weil sie sich rechnet. Weil er es so will.

Das ist kein Einzelfall. Es ist das Grundprinzip einer Energiepolitik, die nicht auf freie Entscheidungen setzt, sondern auf gelenkte.

Eine Energiewende auf Pump

Allein über das Gebäudeprogramm flossen 2024 über eine halbe Milliarde Franken. Insgesamt sind es rund zwei Milliarden pro Jahr – für Klimaschutz und Energiewende. Ursprünglich sollten diese Subventionen befristet sein. Heute plant der Bundesrat ihre Verlängerung bis 2050. Wer das noch als Übergangslösung bezeichnet, belügt sich selbst.

Gleichzeitig steigen die Strompreise spürbar. Was als marktwirtschaftliche Transformation beschrieben wird, fühlt sich für viele wie eine doppelte Belastung an – und ist es auch. Der Bürger zahlt einmal über die Rechnung, einmal über Abgaben. Das ist keine freie Marktwirtschaft. Das ist ein System, das sich nur durch permanente staatliche Zufuhr am Leben erhält.

 

Das eigentliche Problem: falsche Preise

Warum funktioniert dieser Markt nicht? Nicht weil er versagt hat – sondern weil er gar nicht spielen darf.

Energie ist in der Schweiz kein freier Markt. Sie ist ein politisch verwaltetes System: subventionierte Produktion auf der einen Seite, regulierte Tarife auf der anderen, dazwischen ein dichtes Geflecht aus Fördergeldern, Einspeisevergütungen und Abgaben. In diesem System entstehen keine echten Preise. Es entstehen politische Preise – und politische Preise senden falsche Signale.

 

Wer eine Solaranlage baut, tut das oft nicht, weil sie sich rechnet, sondern weil der Staat es attraktiv macht. Wer fossil heizt, zahlt nicht den vollen Preis seines Entscheids. Wer Strom verbraucht, weiss nicht, was dieser tatsächlich kostet. Das Resultat ist eine Wirtschaft, die sich an künstlichen Bedingungen orientiert – und eine Bevölkerung, die gar nicht die Möglichkeit hat, die richtigen Entscheide zu treffen, weil die Grundlage fehlt.

Zielzahl oder freier Preis?

Hier liegt der grundlegende Unterschied zwischen zwei Logiken.

Eine Zielzahl versucht, Verhalten direkt zu erzwingen. Sie setzt einen Grenzwert und erwartet, dass sich die Realität anpasst. Ein echter Marktpreis wirkt anders: Er entsteht dort, wo Angebot und Nachfrage ohne politische Verzerrung aufeinandertreffen – und er überlässt es den Menschen, den besten Weg zu finden. Das ist kein Verzicht auf Steuerung. Es ist die ehrlichste Form davon.

Sobald Subventionen wegfallen und Regulierungen sich auf das Minimum beschränken, rechnen sich Entscheidungen anders. Saubere Technologien, die tatsächlich günstiger sind, setzen sich durch – weil sie günstiger sind, nicht weil der Staat es so will. Was nur mit Fördergeldern überlebt, verschwindet. Genau in diesem Moment verliert die 2000-Watt-Vorgabe nicht nur ihren Sinn – sie beginnt, dem eigentlichen Ziel zu widersprechen. Denn sie unterscheidet nicht.

Eine Wärmepumpe mit Solarstrom erhöht den Stromverbrauch und verschlechtert die Bilanz. Ein sparsamer Ölbrenner bleibt innerhalb der Grenze. Die eine Entscheidung ist ökologisch richtig, die andere nicht – und doch bewertet das System sie genau umgekehrt. Das ist kein Randproblem. Es ist die innere Logik eines Instruments, das die falsche Grösse misst.

Planwirtschaft mit grünem Anstrich

Was stattdessen geschieht, ist schnell beschrieben: Der Staat legt fest, welche Technologien gefördert werden. Er verteilt Milliarden für Wärmepumpen, Solaranlagen und Dämmungen. Er schreibt Zielzahlen vor – 2000 Watt, Netto-Null, Klimaneutralität irgendwann. Und wenn die Ziele nicht erreicht werden, erhöht er die Abgaben und verlängert die Programme.

Das Resultat ist eine Energiewende, die ohne staatliche Finanzierung sofort zusammenbräche. Kein Markt, der funktioniert – sondern ein Markt, den der Staat nach Gutdünken verwaltet. Mit Prämien für die Richtigen und Strafen für die Falschen. Mit Lenkung statt Freiheit, mit Zielzahlen statt Preissignalen, mit Bürokratie statt Eigenverantwortung.

Preise tragen Information. Zielzahlen ersetzen sie durch Anordnung. Das ist nicht Klimapolitik. Das ist Planwirtschaft mit grünem Anstrich.

Preise reagieren. Zielzahlen nicht.

Solarenergie und Speichertechnologien haben sich in den letzten zwanzig Jahren schneller und günstiger entwickelt, als es irgendeine Prognose vorausgesehen hatte. Jedes Mal, wenn die Kosten sanken, veränderte sich sofort die Investitionsrechnung von Millionen Haushalten und Unternehmen. Kein Ausschuss musste tagen. Kein Richtwert wurde angepasst. Das Signal lief durch alle Entscheidungen – still, präzise, wirksam.

Eine Zielzahl tut das nicht. Sie wurde für eine bestimmte Technologiewelt entwickelt. Die Welt hat sich verändert. Die Zahl nicht.

Wer langfristige Politik auf solchen Richtwerten aufbaut, vertraut darauf, dass Berner Büros die Zukunft besser kennen als der Markt.

 

Dieses Vertrauen ist historisch selten gerechtfertigt – und die Rechnung zahlen stets die anderen.

Was eine ehrliche Energiepolitik täte

Die Antwort ist unbequemer als jede Zielzahl, aber einfacher als jedes Förderprogramm: Subventionen abbauen. Marktpreise wirken lassen. Den Bürger entscheiden lassen, wenn er endlich echte Preissignale bekommt.

Energie hätte längst einen echten Preis – wenn der Staat aufgehört hätte, ihn zu verzerren. Wärmepumpen, die sich tatsächlich rechnen, würden sich durchsetzen. Technologien, die nur mit Fördergeldern überleben, würden verschwinden. Und Millionen von Menschen könnten Entscheidungen treffen, die nicht nur gut gemeint sind, sondern auch stimmen – weil die Grundlage endlich stimmt.

 

Stattdessen verwalten wir Symptome. Wir zahlen Milliarden für eine Transformation, die bei freien Preisen von selbst stattfinden würde. Wir schreiben Verbrauchsgrenzen vor, damit Bürger das tun, was der Markt allein bewirken würde. Wir nennen das Fortschritt.

 

Das ist gut gemeint. Aber es ist wirtschaftlich unehrlich, ordnungspolitisch falsch und auf Dauer nicht finanzierbar.

 

Wenn wir diesen Kurs nicht korrigieren, werden wir weiter Zielzahlen anpassen, Kommissionen einsetzen und Subventionen verlängern – und uns dabei immer wieder wundern, warum das Ergebnis nicht stimmt. Das Problem liegt nicht beim Verhalten der Menschen. Es liegt im System, das dieses Verhalten lenkt. Und solange wir das nicht benennen, werden wir es auch nicht lösen – egal wie viele Zielzahlen wir noch definieren.

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